Mai 2009

Vermögensberater wird angeklagt

Als der geschädigte Kunde meinen anwaltlichen Rat suchte, traute ich meinen Augen und Ohren nicht: Was kann man eigentlich alles in dieser Republik anstellen, ohne dass 1.) die Handschellen klicken und 2.) die DVAG sich von einem Handelsvertreter trennt?

Während sich die Staatsanwaltschaft aus juristischen Gründen lange schwer tat, aber engagiert die Sache verfolgt, scheint es der Deutschen Vermögensberatungs AG völlig egal zu sein, wer in ihrem Namen alles als Handelsvertreter auftritt. Jede andere Firma, die etwas auf sich hält oder Wert auf ihren guten Namen bzw. ihre Marke legt, hätte sich von dem Subjekt, das meinen Mandanten kackendreist und zynisch um sein Vermögen gebracht hat, sofort getrennt. Kommentare aus Frankfurt: Null. Weitermachen, als sei nichts gewesen.

Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Das wird unserem Mandanten, der einst eine Eigentumswohnung besaß und heute inklusive Partnerin insolvent ist, zwar kaum sein Vermögen wieder bringen. Aber hoffentlich Genugtuung.

AWD-Spott über Noch-AWD-Dome

Uralt-Kanzler Helmut Schmidt duskutiert mit dem Weltbankchef im Noch-AWD-Dome Bremen. In dem lesenswerten Beitrag der Nordsee-Zeitung kann sich der Journalist einen Spott über den Veranstaltungsort nicht verkneifen:

Ausgerechnet im Bremer AWD-Dome unterhalten sich die beiden über die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Kaum ein Veranstaltungsort hätte sich am diesem Himmelfahrts-Abend besser geeignet: Der nach eigenen Angaben „unabhängige Finanzoptimierer“ AWD will es sich in Zukunft sparen, der Bremer Stadthalle seinen Namen für Geld aufzudrücken. Wenn sich kein anderer Sponsor findet, heißt die Stadthalle bald wieder Stadthalle – die Krise hat auch ihre guten Seiten. Aber umso mehr schlechte.

AWD erhält Rückendeckung

Am 16.04.2009 entschied das Amtsgericht Hannover, dass der AWD – auch in einem Fall einer Falschberatung – nicht haften müsse.
Hintergrund war der Vorwurf, dass ein AWD-Berater zu einer langfristigen Kapitalanlage (hier ein so genannter Aufbauplan eines Strategie-Depots) falsche Auskünfte machte und deshalb ein erheblicher Schaden entstanden sei.
Wir hatten bereits öfter darüber berichtet, dass zur Geltendmachung eines solchen Schadens ein besonderes Vertrauensverhältnis erforderlich sei. Dazu wurde umfassend vorgetragen.
Das Gericht wies die Klage jedoch ab und schrieb:
Das von dem Kläger behauptete tiefe Vertrauensverhältnis zu der Beklagten entband ihn nicht von dem kritischen Durchlesen des Textes, den er anschließend unterzeichnete. In Anbetracht der von dem Kläger geleisteten Unterschrift ist eine Falschberatung nicht ersichtlich!
Dies war die gesamte Begründung. Mit dieser Begründung wird jedoch jede Inanspruchnahme gegen einen Versicherungsvertreter wegen angeblicher Falschberatung scheitern müssen.
Wir halten diese Begründung für eine Unverschämtheit und prüfen, ob wir in Berufung gehen.

Maschmeyer feiert trotzdem

Der AWD meldet drastische Verluste, sein Chef verwickelt sich in etliche unangenehme Rechtsstreitigkeiten und zahlt fröhlich drauf.

Doch gefeiert wird immer. Als der Chef Geburtstag hatte, kam die gesamte Prominenz.

Zumindest mal für einen Tag konnte der Ärger um die teure Luxusyacht, und die trübliche Beteiligung an der RL Holding GmbH vergessen werden.

Der Boss hatte mal schlappe 40 Millionen in der Holding gelassen. Dagegen sind die 300.000€ für die mündlich bestellte Yacht ja schon eine Lappalie.

Beide Streitigkeiten beruhen darauf, dass der Chef angeblich mündliche Zusagen gegeben hat. Er offenbart – wie seine werte Freundin Frau Ferres – tiefe Einblicke. Und auch die Herren Richter der angerufenen Landgerichte hatte zu fragen : Ist das alles echt?

AWD zieht Berufung gegen Falschberatungsurteil zurück.

Der AWD in Österreich hat nichts zu lachen: Ein Urteil auf Zahlung von Schadensersatz wegen Falschberatung ist jetzt rechtskräftig geworden. Peinlich …

Zeit-Artikel jetzt online

„Brutal viel Geld verdienen“

ist jetzt online zu finden in

„Die Zeit“ vom 07-05-2009

P.S.:Der Originalbeitrag in der Papierform ist aber noch angenehmer zu lesen.

Der Artikel ist aber jedenfalls sehr empfehlenswert.

AWD: Götz Wenker ist nicht zu schlagen!

Also eines muss man dem AWD-Götz Wenker lassen: Wenn er keine Chance hat, dann nutzt er sie!

In einem Beitrag im Versicherungsjournal („Wege aus der Absatzflaute“) weiß Wenker:

Und viele Verbraucher sind laut Wenker nicht nur verunsichert, sonst bekommen die Auswirkungen der Finanzkrise ebenfalls direkt zu spüren, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Ein Vermittler habe dann zwei Möglichkeiten, ein Gespräch mit einem (Neu-) Kunden zu führen. Entweder resigniere er vor der scheinbar auswegslosen Situation, verliere sich in Smalltalk oder in bedauernden beziehungsweise tröstenden Worte und verzichte damit auf potenzielles Geschäft.

Oder er können trotz der widrigen Umstände gemeinsam mit dem Kunden versuchen, ob sich nicht auch in dessen aktuell schwierigen persönlichen Situation eine Ersparnis bei den Versicherungsprämien erzielen lasse oder der Versicherungsschutz nicht sogar optimiert werden könne – eben eine Frage der richtigen Antworten.

Auf Deutsch heißt das dann „Umdecken“: Man verspricht einem Kunden ein besseres Preis-Leistungsverhältnis, ruiniert ihm aber bei diesem Manöver die Rückkaufswerte, denn hieraus wird die Provision für den „Berater“ genommen.

Den Leuten, die nichts auszugeben haben, auch noch in die Taschen zu greifen … Respekt, Herr Wenker!

Neue Hürden bei Telefonwerbung

Dass ungebetene Coldcallings demnächst per Gesetz verboten sind – also das Anrufen wildfremder Personen zwecks Verkaufsgesprächs -, wird vielen Handelsvertretern schwer im Magen liegen, vgl. obiges Video.

Aber wenn der neueste Spruch des Landgerichts Hamburg rechtskräftig werden sollte, dann dürfte das Telefon für Handelsvertreter bei der Neu-Akquise künftig gar kein Werkzeug mehr sein: Selbst die Kunden einer Bank dürfen von dieser nicht mit Werbeanrufen behelligt werden!

Anders liegt der Fall natürlich, wenn den Werbeanrufen zuvor ausdrücklich zugestimmt wurde. Was die Gerichte unter „ausdrücklicher Zustimmung“ genau verstehen, könnte spannend werden, da eine Erklärung in allgemeinen Geschäftsbedingungen kaum ausreichend sein dürfte.